Rezension TV vom 02.12.2013

 

Die Bach-Band ist keine von den Lauten im Lande. Dabei dürften die fünf Musiker um den Pianisten Ralf Bach zu den Jazz-Combos mit dem meisten Auftritten in Trier gehören. Nach sieben Jahren haben sie mit "Digit" ein neues, hörenswertes Album vorgelegt. Der Titel ist ein hübsches Wortspiel: "Digit" kann man als Kurzwort für alles Digitale ins Deutsche übersetzen, aber mit etwas orthographischer Fantasie könnte es auch "Dig it" lauten, was im Englischen je nach Zusammenhang bedeuten kann, dass man etwas geil findet oder dass man jemanden auffordert, es zu verbuddeln. Und noch eine Variante: "Dig it!" heißt auch so viel wie "Kapier\'s doch endlich!". So raffiniert, verspielt und interpretierbar wie der Titel sind auch die zehn Tracks der CD. Sie pendeln, immer schön abwechselnd, zwischen Bachs melodiösen, manchmal düster grundierten Arrangements und den pfiffigen, augenzwinkernden Ausflügen des Trompeters Helmut "Daisy" Becker. Unangestrengter und deshalb auch unanstrengender Jazz. Der Titelsong ist eine brillante, lautmalerische Zustandsbeschreibung des digitalen Zeitalters: schnell, hektisch, aufgewühlt, mit hohem Drive, scheinbar oberflächlich, gereizt. Prompt folgt mit "Alouette&Rebecca" eine witzige musikalische Auseinandersetzung mit dem französischen Volkslied, befrachtet mit kurzweiligen Zitaten wie "Norwegian Wood" von den Beatles. "G 49" klingt so, als hätten Bernstein und Gershwin als Inspirationsquelle gedient, und mit Bartóks "Rumänischem Volkstanz" steht ein veritabler Klassiker der Moderne Pate für eine jazzige Interpretation. Unter dem Strich eine auch tontechnisch exzellente Produktion, aufgenommen in der Luxemburger Abtei Neumünster, veröffentlicht vom Trierer Jazz-Label Portabile. Neben den beiden musikalischen Köpfen der Band liefern auch Stefan Reinholz (Saxofon), Stefan Zawar-Schlegel (Bass) und Youngster Peter Lauer (hat Oliver Rohles an den Drums abgelöst) vorzügliche Arbeit ab. Die Band stellt ihre CD im Rahmen eines Release-Konzerts am Donnerstag, 5. Dezember, im kleinen Saal der Tufa vor. DiL